Reiseberichte
Reisebericht: Mit Benji auf dem Jakobsweg
Einleitung
Seit ich denken kann, träume ich davon, den Jakobsweg zu gehen. Der Camino Francés hat mich schon immer fasziniert. Die Idee, diesen historischen Pilgerweg zu beschreiten, war für mich mehr als nur ein Abenteuer – es war eine Reise zu mir selbst. Im September 2016 wagte ich nach einem Probepilgern auf der Via Baltica den Schritt, mir einen vierbeinigen Begleiter anzuschaffen. Mein Bolonka Zwetna-Pudelmix Benji wurde nicht nur mein treuer Freund, sondern auch mein idealer Begleiter für die bevorstehende Herausforderung.
Der Aufbruch
Im Frühjahr 2019 war es schließlich soweit. Mit einem Rucksack auf dem Rücken, der unsere gesamte Campingausrüstung enthielt, und Benji an meiner Seite machte ich mich auf den Weg nach Saint-Jean-Pied-de-Port, dem Startpunkt des Camino Francés. Die Vorfreude war überwältigend, doch gleichzeitig nagten die ersten Zweifel an mir. Würde Benji mit dem langen Weg zurechtkommen? Hätte ich alles Nötige dabei?
Die ersten Schritte
Die ersten Tage waren intensiv. Die Landschaft war atemberaubend schön – grüne Hügel, Dörfer mit steinernen Häusern und die frische Luft der Pyrenäen. Benji schnüffelte begeistert an jedem Grashalm und jeder Blumenblüte, während ich mich in die Pilgergruppe einfügte. Schnell bemerkt ich, dass wir oft von anderen Pilgern angesprochen wurden. Die Menschen waren begeistert von Benji, und seine süße Art half uns, schnell Bekanntschaften zu schließen.
Übernachtungen im Zelt
Die Entscheidung, überwiegend im Zelt zu übernachten, war sowohl eine Herausforderung als auch ein großes Abenteuer. Nach langen Wandertagen suchten wir uns oft idyllische Plätze, um unser Lager aufzuschlagen. Das Zelt wurde schnell zu unserem Zuhause. Die Nächte unter dem Sternenhimmel waren einfach magisch. Während Benji sich in seinen Schlafsack kuschelte, lauschte ich dem beruhigenden Geräusch der Natur und dachte über die Erlebnisse des Tages nach.
Begegnungen auf dem Weg
Eine der schönsten Erfahrungen auf dem Camino war das Treffen mit anderen Pilgern. Es waren Menschen aus aller Welt, die alle aus unterschiedlichen Gründen unterwegs waren. Einige suchten Ruhe, andere spirituelle Erfüllung, und wieder andere wollten einfach nur die Natur genießen. Benji war der Eisbrecher – schnell stellten sich neue Freundschaften ein. Insbesondere eine Gruppe junger Leute aus Spanien und Deutschland begleitete uns eine Weile. Wir lachten, teilten Geschichten und unterstützten uns gegenseitig in den schweren Momenten.
Herausforderungen meistern
Natürlich gab es auch Herausforderungen. Einige Etappen waren anstrengend und ließen bei mir die Müdigkeit aufkommen. Besonders auf steilen Anstiegen musste ich manchmal um die Unterstützung meines kleinen Begleiters lachen. Oft musste ich mir eingestehen, dass Benji mir auch über diese Hindernisse hinweg helfen konnte – seine Freude und Neugier motivierten mich, weiterzulaufen.
Das Wetter war wechselhaft – Regen und Sonne begleiteten uns abwechselnd. Manchmal stellte ich fest, wie wichtig es war, flexibel zu bleiben und sich den Gegebenheiten anzupassen. Benji schien das alles viel lockerer zu nehmen als ich. Er genoss jeden Aufenthalt, egal ob wir in der Sonne lagen oder im Regen Schutz suchten.
Spiritualität und Reflexion
Mit jedem Schritt auf dem Jakobsweg spürte ich, wie sich nicht nur meine Beine, sondern auch mein Geist öffnete. Die Fußspuren hinterließen nicht nur einen Abdruck auf dem Weg, sondern auch in meinem Herzen. Ich begann, über meine eigene Lebensreise nachzudenken – über Ängste, Hoffnungen und Träume. In den stillen Momenten, wenn ich allein mit Benji am Wegesrand saß, schloss ich Frieden mit vielen Dingen in meinem Leben.
Santiago de Compostela
Nach sechs Wochen voller Abenteuer, Herausforderungen und unvergesslicher Begegnungen erreichten wir endlich Santiago de Compostela. Der Anblick der Kathedrale, mit ihrer majestätischen Fassade, war atemberaubend. Dieses Ziel war nicht nur der Abschluss einer physischen Reise, sondern auch eines spirituellen Prozesses. Die Emotionen überwältigten mich, während ich Benji ansah, der treu an meiner Seite saß. Gemeinsam hatten wir es geschafft!
Fazit
Der Jakobsweg hat mir nicht nur die Möglichkeit gegeben, die Schönheit der Natur zu erleben, sondern auch die tieferen Seiten meiner eigenen Seele zu erkunden. Mit Benji an meiner Seite habe ich gelernt, was es heißt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und im Hier und Jetzt zu leben. Ich hoffe, dass mein Buch andere dazu inspiriert, ihren eigenen Weg zu gehen – sei es mit oder ohne Hund. Denn der Jakobsweg ist mehr als nur ein Pfad; er ist ein Erlebnis, das Herzen verbindet und Erinnerungen schafft.
Jeder, der auf den Camino Francés geht, wird seine ganz persönliche Geschichte schreiben. Und so lade ich euch ein, euren eigenen Teil dieser wunderbaren Pilgertradition zu erleben. Egal, ob ihr alleine oder mit einem treuen Begleiter wie Benji unterwegs seid – der Weg wartet darauf, gegangen zu werden!